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Filmanalyse - Der Fall zu sein

Es ist soweit und wir sehen uns den nächsten Film genauer an, diesmal:
"Der Fall zu sein" von Katharina Pichler und Team

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Liebe FilmamacherInnen und Filminteressierte,

auch bei unserer zweiten Filmanalyse auf dieser Plattform muss lobend erwähnt werden, dass die Macher des Films wohl verstanden haben, dass Filme von Problemen handeln. Der saubere hochprofessionelle Look macht den Film in jeder Hinsicht industrietauglich.

Allerdings vermag der Film nicht wirklich zu packen, denn das behandelte Problem verlässt nie die symbolische Ebene , weshalb das Problem bis zum Schluss ein rein akademisches bleibt. Da nützt es auch nicht, dass der Protagonist schreit und strampelt – was sein eigentliches Problem ist, vermag der Zuschauer nicht nachzuvollziehen. Der Film vernachlässigt eine wichtige dramaturgische Regel, nämlich das Setzen einer Prämisse als Voraussetzung für die Lesbarkeit des Problems und die damit verbundene Empathie – also das Sich-hinein-versetzen-Können – in Bezug auf den Hauptcharakter. Warum sucht er die Nadel? Warum soll uns das interessieren? Worin besteht die Relevanz der Problematik? – Damit uns ein Problem interessiert, muss es uns existenziell berühren. Wieso ist das Problem von „Romeo und Julia“ oder von „Hamlet“ oder von Josef K. in Kafkas „Der Prozess“ relevant? Weil hier nicht nur eine Metapher illustriert wird, sondern weil eine Situation geschildert wird, die an den Rand des Abgrunds führt, und die für uns nachvollziehbar ist. Das Erstellen einer gelungenen Prämisse ist ein wichtiger handwerklicher Punkt in der Kunst der Dramaturgie. Verstehen wir nicht, was das konkrete Problem ist und wieso die beiden Streitparteien auf Gedeih und Verderb aneinandergebunden sind, bleibt die Geschichte eine visuelle Fingerübung ohne emotionale Komponente. Und ist Kino nicht das Erzeugen von Gefühlen – mehr als alles andere?

Eine weitere Schwäche des Films ist die verhältnismäßig dünne Darstellung von Beziehungen, während sich der Film darauf konzentriert, lieber Gefühlszustände zu zeigen. In welcher Beziehung stehen Mann und Frau hier zueinander? Wir sind angehalten, die Prämisse zu erraten. Das bedeutet, dass der Film nicht spannend ist, sondern uns raten lässt, warum er spannend zu sein glaubt. Wir dürfen annehmen, dass wir uns auch hier auf eher symbolischer Ebene bewegen. Somit führt uns auch des Rätsels Lösung nicht aus dem Bereich der rein akademischen Studie hinaus. Sehr oft bin ich in meiner Tätigkeit als Filmanalytiker mit Diplomfilmen von Abgängern einer Fachhochschule konfrontiert, deren Macher das Fehlen von Dramaturgie als künstlerisches Mittel beschreiben, das absichtlich gewählt wurde. Dass das reine Schutzbehauptungen sind, ist anzunehmen. Das Ergebnis dieser Haltung ist ein enormer Ausstoß an „style over content“-Filmen, also Filmen, die schön aussehen, und nichts zu sagen haben.

Filme sollen immer von Menschen handeln. Es wäre spannend zu sehen, was dabei herauskommt, wenn die technisch sehr kompetenten Macher dieses Films auch die komplexen Gesetze der Dramaturgie zur Anwendung bringen - bestimmt sehr spannende und bewegende Filme mit echten Charakteren, auf die ich jetzt schon neugierig bin.
Hallo Allerseits,

als erstes muss ich einmal meine große Bewunderung der meiner Meinung nach sehr professionellen Umsetzung des Films aussprechen. Angefangen vom gesamten Look über die Beleuchtung und den Ton bis hin zum Schnitt - hier dürften angehende Profis diesbzgl. am Werk gewesen sein. Gefällt mir sehr gut. Super!
Nun zum Inhalt. Grundsätzlich gefällt mir die Idee der Nadel im Heuhaufen ganz gut. Leider muss ich jedoch hier auch sagen, dass mir - wie es Ip hier bereits angesprochen hat - der gewisse Tiefgang fehlt. Ich muss leider ehrlich eingestehen, dass ich hier nicht hinter die Message komme, welche ihr damit vermitteln wolltet. Es lässt offenbar wirklich ein bisschen zu viel freien Handlungsspielraum für den Betrachter.
OK am Anfang ist das Problem deutlich zu sehen: Nadel -> Heuhaufen -> Mann der die Nadel sucht. Doch in welcher Beziehung, in welchem Verhältnis zum Mann steht die Frau? Hier kann sich der Betrachter - meiner Meinung nach zu viele eigene Gedanken machen. Aber vielleicht ist auch genau das die Sache, welche ihr damit erreichen wolltet - kA.
Für mich stellt die Frau ein inneres Sinnesbild des Mannes dar. Eine innere Stimme die ihn quält und zur Suche - später zur Verzweiflung etc. treibt. Eine Vorstellung die den Mann unterschiedliche Gefühlsebenen durchleben lässt - von Wut über Verzweiflung und Hilflosigkeit bis Angst und Unverständnis.
Nun gut - alles in allem finde ich, dass dieser Film ein gelungenes Projekt ist und das in den Produzenten noch reichlich Potential steckt für weitere Filme welche diese "dramatugischen Kleinigkeiten, Probleme und Fehler" nicht enthalten.
Weiter so und vor allem viel Spass beim Filmen ;-)

lg Daniel
Die Nadel (Sicherheitsnadel) im Heu oder anders ausgedrückt, nach Etwas mit wenig Erfolgsaussichten suchen.
Nach was wird gesucht ?
Welches Problem ist hier vorhanden und soll, oder auch nicht, gelöst werden ?
Was sucht er so verzweifelt, wenn das "Schöne" doch so nah.
Die ganze Handlung ist schon eine fast ins Paranoide übergehende Darstellung des Suchens.
Ist es bereits Realität, dass man verzweifelt, körperverrenkend und schreiend ein Problem zu lösen sucht ?
Die Anfängliche Spannung, was folgt für eine Handlung, was wollen Beide, flacht sehr bald ab und mündet im erfolglosen Suchen im Heuhaufen.
Was muß man tun um diese Handlung zu verstehen ?

Film & Schnitt sind sehr professionell.
Aus meiner Sicht mit herkömmlichen DIGI Cams und normalen Schnittprogrammen schwer bis gar nicht umzusetzen.
Meine größte Anerkennung dazu, aber nur dann, wenn keine Profis am Werke waren.

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